DAOs sind alles Mögliche – aber dezentralisiert sind sie nicht

  • Die so genannten Dezentralen Autonomen Organisationen (DAOs) haben ein kleines Identitätsproblem: sie sind alles andere als dezentralisiert.
  • Ein Chainalysis-Bericht zeigt, dass weniger als 1% der DAO-Inhaber mehr als 90% der Stimmrechte haben.

Dezentrale autonome Organisationen (DAOs) haben in einem stark expandierenden Krypto-Ökosystem viel Aufmerksamkeit erregt. Laut Definintion sind DAOs Organisationen mit einer dezentralen Struktur. Das bedeutet, dass eine Gemeinschaft kollektiv den Entscheidungsprozess einer Organisation bildet.
Obwohl DAOs die Zukunft der dezentralen Unternehmensführung sein sollen, gibt es jede Menge Anomalien ihrer idealtypischen Funktionsweise. Laut dem jüngsten Bericht von Chainalysis sind die meisten DAOs keineswegs so dezentralisiert, wie sie tun.

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Chainalysis analysierte die Funktionsweise von zehn großen DAO-Projekten und fand dabei einige merkwürdig deutliche Details. So ergab sich beispielsweise, dass die Stimmrechte weitgehend konzentriert sind. Im Durchschnitt hatten weniger als 1%(!) aller Inhaber mehr als 90%(!) der Stimmrechte auf sich vereint.
Das zeigt, dass sich DAOs, was die internen Machtverhältnisse betrifft praktisch nicht von anderen Organisationen unterscheiden, sondern  dass die Macht in den Händen einiger weniger konzentriert ist.
Der Chainalysis-Bericht stellt fest:

„Dies hat bedeutende Auswirkungen auf die DAO-Governance. Wenn zum Beispiel nur ein kleiner Teil der obersten 1% der Inhaber zusammenarbeiten würde, könnten sie theoretisch die restlichen 99 % bei jeder Entscheidung überstimmen. Dies hat offensichtliche praktische Auswirkungen und wirkt sich im Hinblick auf die Anlegerstimmung wahrscheinlich darauf aus, ob kleine Inhaber das Gefühl haben, dass sie einen sinnvollen Beitrag zum Vorschlagsverfahren leisten können.“

Der Bericht stellt weiter fest, dass ein Mitglied zwischen 0,1% und 1% des gesamten ausstehenden Token-Angebots halten muss, um einen Vorschlag zu unterbreiten. Um den dann aber auch zu verabschieden, müssen es dann schon zwischen 1% und 4% sein.

DAOs: Faule Kompromisse

Der Chainalysis-Bericht zeigt, dass es bei der Arbeit von DAOs zu Kompromissen gekommen ist. Wenn es mehrere Inhaber gibt, die einen Vorschlag machen, kann die durchschnittliche Qualität des Vorschlags sinken. Dies könnte im Falle von DAOs zu erheblichen Governance-Spam führen.
Chainalysis schreibt:

„Wenn es darum geht, einen Vorschlag im Alleingang zu verabschieden, haben zwischen 1 von 10.000 und 1 von 30.000 Inhabern genug Token, um dies zu tun.“

Eins der deutlichsten Beispiele für die Konzentration von Stimmrechten war die Solana-basierte Kreditvergabe-DAO Solend. Inmitten der Liquiditätskrise Anfang dieses Monats beschloss das Solana-basierte dezentrale Protokoll Solend, Konten von Grossanlegern zu übernehmen. Außerdem wurde beschlossen, Liquidationen selbst über OTC-Desks durchzuführen, um Liquidationen über die DEX-Bücher zu vermeiden.
Obwohl der Vorschlag 1,1 Millionen Stimmen erhielt, stammte die überwältigende Zahl von 1 Million Stimmen von einzelnen Nutzern. Nach einer Gegenreaktion der Community beschloss Solend, den Vorschlag zurückzuziehen und an einem anderen Mechanismus zu arbeiten.

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