- Europas rechtsextremistische Parteien benutzen die Themen Kryptowährung und Digital-Assets zunehmend als politische Kampfinstrumente. Nicht der Nutzen der Technologie steht im Mittelpunkt, sondern ihre Instrumentalisierung für abstruse Schlussfolgerungen.
- Krypto wird zum Vehikel zur Rechtfertigung von Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, der EU und etablierten Finanzstrukturen. Besonders in der DACH‑Region zeigt sich, wie das Thema in Wahlkämpfen gezielt missbraucht wird.
In mehreren EU-Ländern hat sich das Krypto-Thema zum festen Bestandteil rechtsextremer Rhetorik entwickelt. Parteien wie die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, die Rassemblement National – früher Front National – in Frankreich, die Lega in Italien und die Vox in Spanien verwenden das Thema zur Begründung ihrer Vorstellungen von „digitaler Freiheit“ und „Unabhängigkeit vom System“.
Die tatsächlichen technologischen und finanztechnischen Aspekte spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist die emotionale Wirkung: Krypto wird als Vehikel zur Darstellung eines „alternativen Modells“ zu staatlicher Kontrolle inszeniert.
EU‑Regulierung als Feindbild
Ein zentrales Element dazu ist die gezielte Falschdarstellung der EU-Regulierung der Kryptobranche. Die EU‑Rahmenwerke MiCAR und DAC8 werden besonders in Social‑Media-Kampanen als angebliche Beweise für Überwachung und überbordende Bürokratie beschrieben.
Die Ultrarechten nutzen die Komplexität der Regulierung, um ihre simpleste Botschafte zu platzieren: Brüssel greift in die finanzielle Selbstbestimmung der Bürger ein. Darstellungen dieses Niveaus finden vor allem in Milieus Resonanz, in denen Krypto als Alternative zu klassischen Finanzsystemen wahrgenommen wird.
DACH‑Region: Drei Länder – dasselbe Propaganda-Muster
- In Deutschland setzt die AfD stark auf Anti‑EU‑Propaganda. MiCAR und DAC8 werden als Überwachungsinstrumente dargestellt, während Krypto als Symbol persönlicher Freiheit inszeniert wird. Konkrete politische Statements oder gar Erklärungen bleiben jedoch aus.
- In Österreich nutzt die FPÖ das Thema, um ihre Forderung nach nationaler Souveränität zu unterstreichen. Krypto wird als Möglichkeit präsentiert, sich von „fremdbestimmter“ EU‑Finanzpolitik zu lösen. Auch hier dominieren die totgerittenen Schlagworte von Freiheit und Unabhängigkeit.
- In der Schweiz greift die SVP das Krypto-Thema vor allem dort auf, wo es in ihre Version nationaler Eigenständigkeit passt. Es dient als Argument, internationale Standards anzuzweifeln. Krypto wird als Erweiterung eines eigenständigen Finanzsystems dargestellt.

Auffällig ist, dass keine dieser Parteien ein konkretes Krypto‑Programm hat. Stattdessen dominieren Schlagworte auf Realschulabbrecher-Niveau: Weniger Staat, weniger Regulierung, mehr persönliche Freiheit.
So einfach ist die Welt, wenn man nur will.

