- VeChain und 4ocean setzen auf anreizbasierte Apps, um nachhaltiges Verhalten messbar zu machen.
- Cleanup-Aktivitäten werden per KI und Blockchain verifiziert und transparent belohnt.
In einem neuen Interview ordnet VeChain-CEO Sunny Lu die Partnerschaft mit 4ocean nicht als klassisches „Blockchain-meets-Nachhaltigkeit“-Projekt ein, sondern als Versuch, ein strukturelles Problem mit messbaren Anreizen zu adressieren. Plastik aus den Ozeanen zu entfernen sei notwendig, aber nicht ausreichend.
Entscheidend sei, Verhalten dauerhaft zu verändern, und genau dort sieht Lu den Ansatzpunkt für VeChain.
„Die größte Herausforderung ist nicht nur der Plastikmüll, der bereits existiert“, sagte Lu.
„Es geht auch darum, wie wir den Konsum insgesamt reduzieren.“
Lu verweist auf eine gemeinsame Cleanup-Aktion in Miami, an der auch UFC-Präsident Dana White teilnahm. Der VeChain CEO nannte die Aktion als Beispiel für Reichweite und Wirkung:
„Wir dachten, Dana kommt kurz vorbei, macht ein Foto, beantwortet ein paar Fragen und geht wieder. Tatsächlich hat er eine Stunde mitgearbeitet.“
Jeder Teilnehmer habe 20 bis 25 Pfund Müll gesammelt. „Das zeigt, welche Art von Einfluss ihr habt, selbst Menschen mit großer Reichweite wirklich ins Handeln zu bringen.“
Dieser direkte Einsatz habe eine nachhaltige Wirkung, so Lu:
„Wenn man einmal gesehen hat, wie ein eigentlich wunderschöner Ort voller Plastik, Papier und Abfall ist, dann verändert das etwas. Menschen entwickeln ein Bewusstsein und sagen sich: Ich will nicht Teil dieses Problems sein.“
Genau an diesem Punkt setzt VeChain mit anreizbasierten Anwendungen an.
„Was wir aufbauen, nutzt Apps, um Menschen zu positiven Handlungen zu motivieren“,
erklärt Lu. „Wenn du zurückblickst und siehst, was du in den letzten Wochen konkret erreicht hast, entsteht Motivation.“ Die Zusammenarbeit mit 4ocean sei deshalb naheliegend: „Wir kommen aus der Technologieperspektive, ihr aus der praktischen Problemlösung. Das ergänzt sich.“
Die Rolle von VeChain
Konkret nennt Lu die App Cleanify, die bei gemeinsamen Aktionen bereits eingesetzt wurde. „Cleanify macht tägliche Cleanup-Aktivitäten sichtbar und belohnbar“, sagt er. Nutzer dokumentieren ihre Aktionen mit Fotos, die anschließend verifiziert werden. „Die KI prüft die Bilder, ergänzt durch Standortdaten wie GPS. Danach werden Belohnungen ausgezahlt.“
Der Ansatz soll bewusst niedrigschwellig sein. Lu beschreibt ein privates Beispiel: „Meine Tochter nutzt eine ähnliche App beim Gassi gehen mit ihrem Hund. Sie dokumentiert es und bekommt eine kleine Belohnung. Das ist simpel – aber effektiv.“
Für Lu liegt darin der eigentliche Nutzen von Blockchain-Technologie: „Das ist reale Utility. Menschen werden nicht nur zu Nutzern, sondern entwickeln eigene Ideen, wie man Anwendungen verbessern kann. Wettbewerb ist ausdrücklich erwünscht, so entstehen bessere Produkte.“
Wichtig sei, dass das System nicht nur für Krypto-affine Nutzer funktioniere. „Mit Social Login und Custody-Lösungen müssen sich Menschen nicht mit Wallets oder technischen Details beschäftigen. Sie können sich mit Google oder Apple anmelden und direkt loslegen.“
Auch Schulze sieht in der Blockchain-Integration einen zentralen Hebel: „Transparenz ist entscheidend, und Konsumenten verlangen sie zunehmend. Gemeinsam können wir hier ein neues Niveau erreichen und sichtbar machen, welchen Impact individuelles Handeln haben kann.“
Der Einstiegspunkt für Interessierte ist bewusst einfach gehalten. „Man geht auf vebetter.com“, sagt Lu. „Dort gibt es aktuell 42 Anwendungen. Man sucht sich eine aus und kann sie sofort ausprobieren.“
Die Partnerschaft zwischen VeChain und 4ocean wurde im Mai offiziell bekanntgegeben, wie CNF berichtete, und zielt darauf ab, reale Umweltarbeit mit Blockchain-basierter Verifizierungs- und Incentive-Infrastruktur zu verbinden. Konkret geht es darum, Cleanup-Aktivitäten von 4ocean – etwa Strand-, Kanal- oder Ozeanreinigungen digital nachvollziehbar zu machen und über VeChains App-Ökosystem zu belohnen.
Nutzer können reale Aufräumaktionen dokumentieren, die anschließend technisch geprüft werden, während Marken und Partner erstmals transparent nachvollziehen können, wo, wann und in welchem Umfang Umweltarbeit tatsächlich geleistet wurde.

