- Die Wall Street Bankenlobby hat ihren Krieg gegen Stablecoins bis ins Weiße Haus getragen. Sie will ein Totalverbot für Stablecoin-Zinsen durchsetzen.
- Auslöser des Konflikts ist die Absicht der Stablecoin‑Emittenten, Zinsen an ihre Kunden zu zahlen, was die Banken als Existenzbedrohung sehen.
Die Debatte hat sich zu einem Machtkampf entwickelt, der weit über technische Regulierungsdetails hinausgeht und zunehmend die Grundstruktur des US‑Finanzsystems berührt.
Banken argumentieren, dass Stablecoin‑Zinsen zu massiven Kapitalabflüssen aus dem traditionellen Bankensystem führen würden. Sie sprechen von mehreren Billionen Dollar, die in tokenisierte Dollarprodukte abwandern könnten.
Die Kryptobranche hält dagegen, dass die Banken vor allem ihre Margen schützen wollen und die Innovationskraft des US‑Marktes gefährden. Die finanzpolitische Lage wurde zusätzlich destabilisiert, als Coinbase seine Unterstützung für das geplante US Krypto Gesetzespaket zurückzog und damit die Verhandlungen im Kongress ins Wanken brachte.
Gleichzeitig wächst der politische Einfluss der Branche: Krypto‑Protagonisten haben Rekordsummen eingesammelt, und die Trump-Administration signalisiert Offenheit gegenüber der Kryptobranche.
Stillstand im Kongress – und die Kompromissfrage
Ob die Stablecoin‑Lobby noch einen tragfähigen Deal erreichen kann, ist derzeit unklar. Republikanische Abgeordnete versuchen, zwischen Bankeninteressen und Kryptobranche zu vermitteln, doch die Fronten verhärten sich. Banken wollen ein vollständiges Zinsverbot und strengere Zugangsbarrieren zu Fed‑Infrastrukturen. Die Kryptobranche fordert hingegen regulatorische Klarheit, die ihr Geschäftsmodelle nicht im Kern beschneidet. Die Wahrscheinlichkeit eines kurzfristigen Kompromisses sinkt, je länger die internen Spannungen innerhalb der Branche anhalten.

Kann der Konflikt auf die Eurozone überspringen?
Ein unmittelbares Überschwappen des US‑Konflikts in die Eurozone ist unwahrscheinlich, doch indirekte Effekte sind realistisch. Die EU verfügt mit den MiCAR über ein ausgearbeitetes Regulierungsregime, das Zinsmodelle für Stablecoins streng begrenzt und Emittenten stärker an klassische Finanzregeln bindet.
Dennoch beobachten EU-Banken die US‑Debatte aufmerksam, da ein liberaler US‑Markt den EU-Instituten eine stärkere Konkurrenz liefern könnte. Sollte die US‑Regulierung Stablecoin‑Zinsen erlauben, könnte das die Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Finanzmärkte neu entfachen.
Umgekehrt würde ein US‑Zinsverbot die Position der EU-Kryptobranche stärken, aber auch die Attraktivität europäischer Stablecoin‑Projekte begrenzen. Der Konflikt selbst wird nicht direkt importiert – seine wirtschaftlichen und politischen Folgen jedoch sehr wohl.

