Regulierungsunfug? Bitcoin-Handel ist ok – Bitcoin-Werbung nicht

  • Aufsichtsbehörden gehen gegen Werbung für Kryptowährung vor mit der Begründung, das Risiko, das mit Investitionen in Kryptowährung verbunden ist, werde verharmlost.
  • Singapur hat sogar Bitcoin-Automaten ausser Betrieb gesetzt, aber auch Spanien, Großbritannien und andere Länder gehen mit harten Bandagen gegen Krypto-Werbung vor.

Werbung ist eine Lebensader für jedes Unternehmen, sei es durch Mundpropaganda, durch Printmedien oder durch Fernsehwerbung. Im Zeitalter des Internets findet ein Großteil aller Werbung bei Google, Facebook, YouTube, Twitter, Instagram und Unternehmenswebsites statt.

Doch wenn es um Kryptowährung geht, wird den Werbungtreibenden das Leben schwer gemacht. „Sie können Ihre Bitcoin zum Verkauf anbieten, aber sagen sie es niemandem“, scheint das Motto der Behörden zu sein, das durchgesetzt werden soll.

Singapur, Spanien, Großbritannien – Krypto-Werbung wird gelöscht

Der jüngste Eingriff in das Recht auf Werbung für Bitcoin-Unternehmen erfolgte in Singapur. Die Zentralbank des Landes – die Monetary Authority of Singapore MAS – hat kürzlich neue Richtlinien für Krypto-Werbung erlassen. Sie verbot Werbung für Kryptoprodukte an öffentlichen Orten. Dies reicht von Plakatwänden bis hin zu Social-Media und ist eine der härtesten Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden.

Die MAS erklärte dazu:

„Anbieter von Krypto-Dienstleistungen sollten den Handel mit Kryptowährung nicht in einer Weise darstellen, die die hohen Risiken des Handels mit ihnen trivialisiert, und sie sollten ihre Dienstleistungen nicht in öffentlichen Bereichen in Singapur oder über andere Medien bewerben, die sich an die allgemeine Öffentlichkeit in Singapur richten. Das bezieht sich auf jede Form digitaler Zahlungsmittel. Broker und andere Bitcoin-Unternehmen dürfen nicht mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln, Rundfunkmedien oder periodischen Veröffentlichungen, Websites Dritter, Social-Media-Plattformen, öffentlichen Veranstaltungen oder Roadshows werben.“

Bitcoin-Unternehmen können ihre Produkte nur noch über ihre eigenen offiziellen Social-Media-Konten bewerben, und selbst diese Posts müssen nach betimmten Regeln erfolgen. Sie dürfen auch keine Social-Media-Influencer einsetzen, um ihre Produkte zu bewerben.

In Spanien hat die Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen, die Comisión Nacional del Mercado de Valores vor kurzem verfügt, dass Influencer nur mit zehntägiger Vorankündigung bei der Behörde für ein Kryptowährung-Produkt werben dürfen.

Wie CNF berichtete, müssen Influencer auch eine Warnung in ihre Werbung einfügen, die lautet:

„Anlagen in Krypto-Assets sind nicht reguliert. Sie sind möglicherweise nicht für Kleinanleger geeignet und der gesamte investierte Betrag kann verloren gehen.“

In Großbritannien macht die Advertising Standards Agency ASA ebenfalls Druck auf Werbungtreibende für Kryptowährung. Betroffen war bereits  einer der größten Fußballclubs des Landes, Arsenal, wegen einer nach Behördenmeinung irreführenden Krypto-Werbung. Arsenal hatte auf seiner eigenen Website und in den Social Media für seine Fan-Token geworben. Arsenal musste die Anzeige entfernen und muss in Zukunft deutlich darauf hinweisen, dass Fan-Token auch Krypto-Assets sind und „dass der Wert von Investitionen in Krypto-Assets variabel ist und Krypto-Assets nicht reguliert sind“.

Die ASA ist gegen Kryptounternehmen vorgegangen, darunter auch Crypto.com, das nach Behördenmeinung dazu ermutigt hat, Bitcoin per Kreditkarte zu kaufen, also sich für den Kauf zu verschulden. EToro, Luno, Coinbase Europe, Exmo Exchange, Coinburp und Payward waren andere betroffene Unternehmen.

Doch jetzt mischt auch noch das Finanzministerium mit. Es hat kürzlich erklärt, dass es die Regeln für Krypto-Werbung verschärfen will, um sicherzustellen, dass sie mit Werbung für andere Finanzanlagen in Einklang steht.

Warum dieses Vorgehen bei Krypto-Werbung?

Im Moment sind es die Regulierungsbehörden, die gegen Krypto-Werbung vorgehen. doch zuvor schon haben sich auch Werbeplattformen gegen Krypto-Anzeigen gewandt.

Google, Facebook, Twitter und LinkedIn, um nur einige zu nennen, haben alle Krypto-Anzeigen entweder ganz oder teilweise abgelehnt. Als der Markt wuchs und zum Mainstream wurde änderten sie ihre Haltung. Einige, wie Facebook, haben sogar eine komplette Kehrtwende gemacht und sich Branche angeschlossen, mit der sie vorher nichts zu tun haben wollten. Wie CNF berichtete, arbeitet Facebook, jetzt Meta, an der Integration von NFTs. Der Social-Media-Riese hat jetzt sogar sein eigenes Stablecoin-Projekt.

Mehr zum Thema: Meta arbeitet an NFT-Funktionen für Facebook und Instagram

Allerdings gab es mehrere betrügerische Krypto-Projekte, die Kunden durch Werbung geködert hatten. In der Ära der ICOs waren diese auf einem Allzeithoch, was die Tech-Giganten damals als Grund für die Ablehnungn aller Krypto-Werbung anführten.

Die Lösung liegt jedoch nicht darin, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Dieser Ansatz hat vielen seriösen Unternehmen, die einen echten Mehrwert bieten, geschadet, da ihnen der Zugang zu Werbeplattformen verwehrt wurde. Dies ist derselbe Ansatz, den Extremisten verwendet haben, indem sie behaupteten, dass Kryptowährungen vollständig verboten werden sollten, da Bitcoin bei vielen Ransomware-Angriffen verwendet worden war.

Der beste Ansatz ist, gegen die faulen Äpfel vorzugehen. Regulierungsbehörden und sogar Plattformen wie Google und Facebook tun dies in anderen Branchen. Zum Beispiel ist die Zahl der betrügerischen Devisenunternehmen ziemlich hoch, wahrscheinlich sogar höher als bei Kryptowährungen. Der Ansatz, mit dem dies gehandhabt wird, ist sich jedoch der Tatsache bewusst, dass es mehr legitime Projekte als Betrüger gibt. Warum also nicht den gleichen Ansatz bei Kryptowährungen anwenden?

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Steve ist seit vier Jahren Blockchain-Autor und seit noch längerem ein großer Krypto-Enthusiast. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn besonders die Chancen fur Entwicklungsländer.

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