- SWIFT steht für „Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication“ und ist ein globales Interbank-Netzwerk, das seit über 50 Jahren für den sicheren Austausch von Finanznachrichten sorgt.
- Jetzt will die SWIFT mit Consensys als Partner einen blockchainbasierten Ledger betreiben, an dem weltweit mehr als 30 Banken beteiligt sind. Unklar ist, ob das Projekt mit Ripple konkurriert oder kooperiert.
SWIFT hat Pläne zum Aufbau eines Shared-Ledgers in Zusammenarbeit mit Consensys vorgestellt, dem Ethereum-Entwickler unter der Leitung von Joe Lubin. Es ist eine der wichtigsten Neuerungen in der über ein halbes Jahrhundert langen Geschichte des Netzwerks. Die Initiative wurde auf der jährlichen Sibos-Konferenz von Swift in Frankfurt vorgestellt. Ziel ist es, grenzüberschreitende Zahlungen sofort und jederzeit verfügbar zu machen.
Mehr als 30 Finanzinstitute aus 16 Ländern sind an der Entwicklung des Systems beteiligt. Global Player wie JPMorgan Chase, Bank of America, HSBC, Deutsche Bank, Citibank und Banco Santander gehören dazu.
Am Ende der ersten Projektphase, für die Consensys verantwortlich zeichnet, wird es einen konzeptionellen Arbeitsprototyp geben, allerdings noch ohne globale Transaktionen rund um die Uhr und in Echtzeit.
Bei SWIFT hofft man, seine Rolle über die eines Nachrichtenübermittlers hinaus zu erweitern, um auch RWA-Transaktionen ausführen zu können.
Der neue Ledger wird Zahlungen in Echtzeit aufzeichnen, ordnen, validieren und Smart Contracts zur Durchsetzung von Regeln verwenden. Er ist für die Interoperabilität mit vorhandenen und künftig entstehenden Netzen ausgelegt und soll gleichzeitig die mit SWIFT verbundene Compliance und Ausfallsicherheit bieten.
Vergleiche mit Ripple und anderen Ledgern
Doch es stellt sich die Frage, ob Swift in der Lage sein wird, mit Blockchain-nativen Netzwerken Schritt zu halten. Stellar und Hedera verarbeiten bereits Zahlungen innerhalb von Sekunden zu minimalen Kosten. Im Vergleich dazu ist das aktuelle SWIFT-Format von Banken, Vermittlern und Compliance-Prüfungen abhängig, die manchmal dazu führen, dass Überweisungen bis zu fünf Werktage dauern.
Neben anderen Unternehmen wurde auch Ripple einerseits als Konkurrent und andererseits als Kooperationspartner ins Gespräch gebracht. Auch Ripple verbindet seit Jahren Banken und Finanzinstitute – aber die Abrechnungen funktionieren in Echtzeit.
Die Zusammenarbeit mit Santander und SBI Holdings hat gezeigt, dass Ripple als Bindeglied zwischen TradFi und Web3 fungieren kann. In der Branche herrscht die Meinung vor, dass die SWIFT angesichts der Erfolgsbilanz von Ripple bei der Echtzeitverarbeitung eher an Kooperation als an Konkurrenz denken wird.
SWIFT braucht einen radikalen Umbau zu Existenzsicherung
Um direkt mit Blockchain-Netzen konkurrieren zu können, müsste SWIFT vollständig umgestaltet werden, mit Desktops, unabhängig von Korrespondenzbanken, die an den Gebühren verdienen.
Auch die Steuerung durch Tausende globaler Institute erschwert die schnelle Einführung neuer Modelle. Kenner der Problematik weisen darauf hin, dass Modernisierungsmaßnahmen die Effizienz von SWIFT verbessern würden, dass es aber unwahrscheinlich sei, dass eine den Blockchains ähnliche Performance ohne weitere gravierende Veränderungen erreicht würden.
Nichtsdestotrotz wird der Einfluss der SWIFT nicht so schnell schwinden. SWIFT verbindet über 11.000 Banken in allen Ländern der Welt und wickelt jährlich Transaktionen im Wert von etlichen Billionen Dollar ab.
Indem die SWIFT die Blockchain-Infrastruktur vorantreibt, zeigt das Unternehmen, dass es nicht die Absicht hat, sich verdrängen zu lassen. Netze wie der XRP-Ledger von Ripple werden die nächste Phase des internationalen Zahlungsverkehrs bestimmen, unabhängig davon, ob es am Ende auf Konkurrenz oder Kooperation mit der SWIFT hinausläuft.

