- Das Zusatzmodul XLS‑80 für den XRP Ledger ist ein bedeutender technologischer Fortschritt. Die neuen „Permissioned Domains“ ermöglichen erstmals klar abgegrenzte Segmente in einem öffentlichen Ledger.
- Für Banken, Finanzdienstleister und Tokenisierungsprojekte gibt es damit Zugang zu einer offenen, gleichzeitig compliance-fähigen Infrastruktur – ein Spagat, an dem viele Blockchains bislang scheitern.
Permissioned Domains basieren auf dem zuvor eingeführten Credentials‑Framework XLS‑70. Damit lassen sich Onchain‑Identitätsnachweise wie KYC‑ und AML‑Credentials direkt in den Transaktionsfluss einbinden.
Mit XLS‑80 können Betreiber nun Domains definieren, in denen ausschließlich Wallets mit bestimmten, vorab festgelegten Credentials agieren dürfen. Der XRP Ledger bleibt dabei vollständig öffentlich, doch innerhalb einer Domain gelten klare Zugangsbeschränkungen.
Dieser Mechanismus schafft eine hybride Struktur, die sowohl die Regulierungsanforderungen erfüllt als auch die Vorteile eines offenen Netzes bewahrt.
Fundament für Liquidität und Tokenisierung
Die Einführung der Permissioned Domains gilt als Voraussetzung für die kommende Permissioned DEX, die voraussichtlich Mitte Februar aktiviert wird. Institutionelle Akteure können damit erstmals regulierte Handelsplätze direkt auf dem XRPL betreiben, ohne auf private oder isolierte Blockchains ausweichen zu müssen.
Für Tokenisierungsprojekte – etwa im RWA-Bereich – entsteht eine Umgebung, in der Vermögenswerte sicher, nachvollziehbar und unter Einhaltung regulatorischer Vorgaben gehandelt werden können.
Unternehmen wie Billiton Diamond, die bereits Tokenisierungen im dreistelligen Millionenbereich planen, profitieren unmittelbar von dieser neuen Infrastruktur.

Technische Umsetzung und Governance‑Fragen
Mit XLS‑80 wurden neue Ledger‑Objekte und Transaktionstypen eingeführt, darunter „PermissionedDomain“, „PermissionedDomainSet“ und „PermissionedDomainDelete“. Domain‑Betreiber können bis zu zehn Credential‑Typen definieren, die für den Zugang erforderlich sind.
Wallets mit diesen Nachweisen werden automatisch als berechtigt erkannt. Trotz der technischen Eleganz bleibt die Governance ein kritischer Punkt: Die Sicherheit und Integrität der Domains hängt maßgeblich von der Vertrauenswürdigkeit der Credential‑Urheber und der Betreiber ab.
Risiken wie kompromittierte Credentials oder unzureichende Überwachung müssen durch klare Prozesse und Audits abgefedert werden.
Bedeutung für die DACH‑Region
Für die DACH‑Region, in der klare Regulierung und Compliance traditionell eine zentrale Rolle spielen, ist die Aktivierung der Permissioned Domains ein strategischer Meilenstein.
Schweizer Banken wie UBS und Julius Bär, deutsche FinTechs und liechtensteinische Anbieter wie LCX erhalten damit eine Infrastruktur, die institutionelle Anforderungen erfüllt, ohne die Vorteile eines globalen öffentlichen Ledgers aufzugeben.
Mit der Kombination aus Offenheit, Compliance und Skalierbarkeit könnte der XRP-Ledger zur einem bevorzugten Instrument für Tokenisierung, regulierte Handelsplätze und institutionelle Anwendungen werden.

