- Die Glücksspielbehörde der Niederlande untersagte Polymarket, laut Selbstdarstellung größter Prognosemarkt der Welt, den Betrieb mit der Begründung: Verstoß gegen das Glücksspielrecht.
- Polymarket hat in der Tat nirgendwo auf der Welt eine Glücksspiellizenz, bot jedoch munter Wetten auf reale Ereignisse an, darunter Wahlwetten, die in den Niederlanden grundsätzlich verboten sind – auch mit Lizenz.
Ein Beamter der Behörde konnte problemlos eine Wahlwette auf den Politiker Rob Jetten platzieren. Nach diesem Tatsachenbeweis griff die Behörde ein und verfügte das Betriebsverbot für Polymarket, verbunden mit einer Strafandrohung von 420.000 Euro pro Woche, allerdings maximal 840.000 Euro.
Die Behörde teilte mit, man habe zuvor Kontakt mit Polymarket aufgenommen, jedoch habe es keine Reaktion gegeben. Die nun verhängte Maßnahme soll sicherstellen, dass Polymarket unverzüglich die Koffer packt. Der eine oder andere Geldkoffer dürfte auch dabei sein.
Behördenchefin wird deutlich
Ella Seijsener, Direktorin für Lizenzen und Aufsicht bei der NL-Glücksspielbehörde ließ in ihrer Mitteilung keinen Raum für Interpreationen:
„Prognosemärkte sind im Aufschwung, auch in den Niederlanden. Solche Unternehmen bieten Wetten an, die auf unserem Markt grundsätzlich nicht erlaubt sind – auch nicht für Lizenzinhaber. Neben den gesellschaftlichen Risiken solcher Vorhersagen, etwa der möglichen Beeinflussung von Wahlen, stellen wir fest, dass es sich hierbei um illegales Glücksspiel handelt. Wer keine Lizenz besitzt, hat auf unserem Markt nichts zu suchen. Das gilt auch für diese neuen Glücksspielplattformen.“
Die Behörde verwies außerdem auf fehlenden Verbraucherschutz, mangelnde Transparenz und unklare Streitbeilegungsmechanismen. Diese Faktoren würden das Risiko für Verbraucher erhöhen und seien mit dem niederländischen Regulierungsrahmen nicht vereinbar.
EU Staaten verschärfen Kurs gegenüber Prognosemärkten
Die Niederlande sind nicht das erste EU-Land, das gegen Polymarket vorgeht. In den vergangenen Monaten haben bereits Portugal, Italien, Belgien, Rumänien, Frankreich und Ungarn Maßnahmen gegen Polymarket ergriffen, die von funktionaler Einschränkung bis zum vollständiger Betriebsverbot reichen.
Es ergibt sich ein klares Bild: Die EU‑Staaten betrachten Prognosemärkte als regulierungspflichtiges – und nebenbei auch steuerpflichtiges – Glücksspiel und reagieren entsprechend restriktiv.
Für Polymarket bedeutet das de facto den Verlust des EU-Markts. Das Unternehmen bekam in den USA bereits 2022 eine Strafe der US-Börsenaufsicht CFTC aufgebrummt. Jetzt steht es erneut im Fokus nationaler Aufsichtsbehörden, die ebenso wenig Spass verstehen.
Prognosemärkte werden Farbe bekennen oder verschwinden
Das niederländische Vorgehen dürfte die rechtliche Einordnung von Prognosemärkten in der EU festigen. Während Befürworter deren „Informationswert“ herausstellen, sehen Regulierer vor allem die Gefahr manipulativer Anreize und die potenzielle Beeinflussung demokratischer Prozesse.
Für Polymarket stellt sich nun die Frage, ob das Unternehmen sein Geschäftsmodell anpasst und die Dinge beim Namen nennt, oder sich aus weiteren europäischen Märkten zurückziehen muss.
Die Entwicklung zeigt jedenfalls, dass EU-Staaten sich nicht von Unternehmen auf der Nase herumtanzen lassen, die reines Glückspiel zu etwas Seröserem umwidmen wollen, indem sie es einfach „Prognosemarkt“ nennen.
Erst vor wenigen Tagen hatte Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin genau davor gewarnt.


