- Dominik Schieners neues „IOTA Manifesto“ positioniert das Projekt als neutrale Infrastruktur für den globalen Handel.
- Reale Handels-Transaktionen sollen Gebühren und Deposits auslösen und so IOTA verknappen.
IOTA-Mitgründer Dominik Schiener hat ein neues „IOTA Manifesto“ veröffentlicht, dass das Projekt jenseits spekulativer Kryptomärkte positionieren soll. IOTA will sich als Infrastruktur für den globalen Handel positionieren, einen Markt, den das Manifesto auf 35 Billionen US-Dollar beziffert.
Schiener bezeichnet den Schritt via X als Konsequenz aus 15 Jahren Erfahrung im Kryptomarkt:
„In meiner 15-jährigen Karriere in Krypto habe ich erlebt, wie unsere Branche Zyklen aus Hype, Lärm und Spekulation durchläuft – aber auch echte, spannende und wirkungsvolle Innovation. Eine der wichtigsten Lektionen ist: Du wirst in diesem Markt nur bestehen, wenn du eine tief verwurzelte Überzeugung hast. Wir sind seit zehn Jahren mit IOTA am Markt. Es war sicherlich eine wilde Fahrt mit extremen Höhen und Tiefen, aber eines hat sich nie geändert: Unser Einsatz, die reale Welt on-chain zu bringen.“
Das Manifest ist als Leitlinie gedacht: IOTA soll sich damit bewusst von der reinen Krypto-Spekulation abgrenzen. Im Manifest wird Handel vor allem als Bürokratieproblem beschrieben: zu viel Papier, zu viele Schnittstellen, zu wenig Standardisierung.
Zur Untermauerung führt das Manifest eine Reihe von Friktionen an: täglich vier Milliarden Handelsdokumente, bis zu 30 beteiligte Parteien pro Trade und rund 240 Dokumentkopien je Vorgang. Die administrative Last im grenzüberschreitenden Handel wird mit bis zu 20 Prozent beziffert, jährliche Verluste durch Dokumentenfälschung mit 2 bis 5 Milliarden US-Dollar. Besonders scharf fällt die Diagnose bei der Finanzierung aus: eine jährliche Lücke von 2,5 Billionen US-Dollar.
Zwar gibt es seit 2017 mit MLETR einen Rechtsrahmen für elektronische Dokumente – laut Manifest fehlt aber weiterhin eine neutrale technische Basis, auf die sich alle einigen können. Staaten und Konzerne, so das Manifesto, würden sich nicht an „die private Blockchain eines Wettbewerbers“ binden.

Als Beispiel für die Grenzen privatwirtschaftlicher Modelle wird das gescheiterte IBM/Maersk-Projekt TradeLens genannt. IOTA zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Die Basis müsse neutral und offen sein, nicht das proprietäre System eines einzelnen Anbieters.
Sind IOTAs TWIN und ADAPT die Antwort?
Als zentrale Lösung wird TWIN (Trade Worldwide Information Network) genannt – ein System auf dem IOTA-Mainnet, das Dokumente digitalisieren und Warenflüsse absichern soll. Das Manifesto beschreibt TWIN als „production-ready“ und nennt als Belege eine Live-Nutzung in Kenia sowie ein UK-Pilotprogramm.
Für Kenia heißt es, TWIN sei im Handelssystem live und habe mit Blumenexporten gestartet: „7 Millionen Stiele pro Tag“ im Pilot. Die Ausweitung soll „Anfang 2026“ auf alle Güter folgen. Im Vereinigten Königreich verweist die Zusammenfassung auf einen Pilot des Cabinet Office zur Vereinfachung von UK-EU-Fracht: In den Jahren 2024–2025 seien „über 2.000 Geflügelsendungen“ von Polen nach Großbritannien auf IOTA getrackt worden, um Grenzbehörden Echtzeit-Sichtbarkeit zu geben. Ein Signal, auf das IOTA sichtbar Wert legt:
„Seit Januar 2026 ist TWIN vollständig in das IOTA-Mainnet integriert. Reale Transaktionen für Waren, die Grenzen überqueren, laufen nun live auf dem öffentlichen Ledger.“
Noch größer angelegt ist ADAPT (Africa Digital Access and Public Infrastructure for Trade), ein Vorhaben mit AfCFTA-Sekretariat, World Economic Forum und Tony Blair Institute. Ziel ist es, bis 2035 1,5 Milliarden Menschen anzubinden; als potenzielle Effekte nennt die Quelle eine Verkürzung der Grenzabfertigung von 14 Tagen auf Stunden sowie eine Reduktion grenzüberschreitender Zahlungsgebühren um mehr als 50 Prozent.
Die Auswirkungen auf den IOTA-Token
Das Manifesto verknüpft die Infrastruktur-Story explizit mit der Token-Ökonomie. Wenn Handelsprozesse on-chain laufen, steigt das Transaktionsaufkommen und damit die Rolle von Gebühren und Deposits, die Token binden oder verbrauchen.

Das Manifesto beziffert das Transaktionsprofil mit „durchschnittlich 26 Transaktionen“ pro Sendung und leitet daraus ab, dass schon 1 Prozent der globalen Handelsdokumente „650 Millionen Transaktionen pro Jahr“ auf dem IOTA-Mainnet bedeuten könnten. Gebühren sollen IOTA „verbrennen“, Storage Deposits Token binden; Staking wird mit rund 11 Prozent APY angegeben.
Der Wert des IOTA-Tokens komme aus realer Adoption:
„Indem wir die physische und digitale Welt verbinden, bringen wir Daten, Vermögenswerte und Identitäten onchain. Statt spekulative oder wertlose Tokens zu schaffen, tokenisieren wir reale Vermögenswerte – von Rohstoffen und kritischen Mineralien bis hin zu Handelsforderungen und Lagerscheinen – und machen sie in zweckgebundenen DeFi-Anwendungen und Stablecoins auf IOTA verfügbar. So entsteht eine neue Klasse dezentraler Finanzanwendungen, die durch reale Assets gedeckt sind, die reale Renditen erzeugen.“

Schiener betont jedoch auch, dass die weltweite Anwendung von IOTA noch viel Arbeit bedeute, welche die IOTA Stiftung nur mit Hilfe ihrer Partner bewältigen werde:
„Wir haben eine unglaublich spannende, aber auch herausfordernde Reise vor uns. Gemeinsam mit unseren Partnern und unserem Ökosystem sind wir hier, um Technologien zu bauen, die echten positiven Wandel auf der ganzen Welt schaffen.“

