Kryptowährungen und drei Gründe für die Vorbehalte des IWF

  • Der IWF hat starke Vorbehalte gegenüber Kryptowährungen, vor allem weil der Markt extrem schnell wächst und es keine Regulierung gibt, die diesen Namen verdient.
  • Der Marktwert der weltweiten Krypto-Vermögenswerte hatte im September 2021 zwei Billionen Dollar überschritten – ein Sprung um das Zehnfache gegenüber Januar 2020.

Evan Papageorgiou, stellvertretender Abteilungsleiter beim IWF, sagte CNBC, dass das Krypto-Ökosystem erheblich gewachsen sei, und der Wachstumsprozess zeige zwar eine bemerkenswerte Stabilität, aber es habe auch harte Stresstests gegeben. Im Einzelnen nennt der IWF drei Gründe für seine Bedenken gegen Kryptowährung:

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Grund 1: Mangelnde Erfahrung

Vielen Unternehmen, die sich mit digitalen Vermögenswerten befassen, fehlt es an operativer Erfahrung, Erfahrung in der Unternehmensführung und Erfahrung im Risikomanagement. Ein Beispiel: Die deutschen Sparkassen. Sie übernehmen mit ihrem neuen Angebot an Kryptowährungen eine große Verantwortung: In weiten Teilen der Bevölkerung stehen die Sparkassen für Sicherheit. Was sie anbieten, soll Privatpersonen nicht in finanzielle Bedrängnis bringen – so zumindest die Annahme. Doch gerade deshalb könnte unerfahrenen Anlegern ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt werden, wenn sie das neue Angebot als eine Art Sparkassen-Gütesiegel für die Anlageklasse sehen. Nach wie vor sind Investitionen in Kryptowährungen jedoch hochspekulativ, und Verbraucherschützer warnen immer wieder vor starken Kursschwankungen und dem Risiko hoher Verluste.

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Grund 2: Unzureichender Verbraucherschutz

Es gibt keine ausreichende Offenlegung und Aufsicht. Die Werbung für Kryptowährungen muss kontrolliert werden, und die Menschen müssen über die Risiken aufgeklärt werden, die mit der Investition in einen so volatilen Vermögenswert verbunden sind. Die Preise können innerhalb eines kurzen Zeitraums schwanken.

Ein zusätzliches Problem ist, dass junge Menschen sehr an diesem Markt interessiert sind und oft ihre allererste Investition in Kryptowährung tätigen und dafür Kreditkarten oder andere Formen von Kredit verwenden.

Die von der britischen Financial Conduct Authority (FCA) veröffentlichten Daten zeigen, dass etwa 2,3 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich Kryptowährungen besitzen. 14% von ihnen verwenden Kredite, um sie zu kaufen, und 12% von ihnen glauben, dass die FCA sie vor jeglichen Investitionsrisiken schützt. Doch das tut sie keineswegs.
Eine im Juli durchgeführte Umfrage unter 1.000 britischen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren ergab, dass 27% von ihnen Kreditkarten nutzten, um in Kryptowährung zu investieren, 17% nutzten ihre Studenten-Darlehen und 12% nutzten andere Kredite. Solche Anleger gehen extreme Risiken ein, denn die aufgenommenen Darlehen laufen in Fiatwährung – nicht in Kryptowährung.
Charles Randell, Vorsitzender der FCA, wies in einer Rede im September 2021 auf ein besonderes Risiko hin: die Verführung von „Influencern“.

„Influencer in den sozialen Medien werden regelmäßig von Betrügern dafür bezahlt, dass sie ihnen dabei helfen, neue Token auf der Grundlage reiner Spekulationen zu pumpen und abzusetzen. Einige Influencer werben für Münzen, die es gar nicht gibt.“

Kim Kardashian, eine Prominente mit mehr als 200 Millionen Instagram-Followern, warb Anfang des Jahres auf ihrem Konto für eine Kryptowährung namens „Ethereummax“. Kritiker wiesen darauf hin, dass nur wenige Details darüber bekannt seien. „Das ist keine Finanzberatung, sondern ich teile, was mir meine Freunde über den Ethereum-Max-Token erzählt haben,“ hieß es in dem Post von Kardashian. Sie hatte mehrere Hashtags hinzugefügt, dummerweise auch den Hashtag „#ad“, was verrät, dass sie für den Post bezahlt wurde.

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„Kryptowährungen werden oft direkt neben Posts wie diesem beworben, die einen glamourösen Lebensstil zeigen, und ich denke, dass diese Assoziation sehr gefährlich und schädlich für junge Menschen ist“, sagte Myron Jobson, Personal Finance Campaigner bei Interactive Investor, gegenüber CNBC.

Grund 3: Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung

Krypto-Vermögenswerte könnten Cyberkriminalität erleichtern, insbesondere Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.
Nach Ansicht des IWF sollten die nationalen Regulierungsbehörden daran arbeiten, weltweit einheitliche Regeln zu schaffen, um die grenzüberschreitende Aufsicht zu verbessern und, da es sich um einen so neuen Bereich handelt, die Datenstandardisierung voranzutreiben:

„Die Zeit drängt, und die Maßnahmen müssen entschlossen, schnell und weltweit gut koordiniert sein, um die Vorteile zu nutzen und gleichzeitig die Schwachstellen zu beseitigen.“

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