- IOTA-Gründer Dominik Schiener ändert die strategische Ausrichtung von IOTA, mit Fokus auf den 35 Billionen Dollar Welthandel.
- Sein Fokus liegt auf Digital Identity, Tokenisierung, dem TWIN‑Plattform-Projekt und der Onchain‑Infrastruktur. Sein Ziel: IOTA als neutrales Netzwerk für den globalen Handel etablieren.
IOTA-Gründer Schiener diagnostiziert eine strukturelle Krise des Welthandels: Er bildet das Rückgrat der Weltwirtschaft, doch seine Infrastruktur ist paradoxerweise in einem Zustand, der eher an das 20. Jahrhundert erinnert als an das digitale Zeitalter. Trotz eines jährlichen Volumens von über 35 Billionen Dollar stützen sich Lieferketten, Banken, Logistik-Dienstleister und Behörden weiterhin auf papierbasierte Dokumente, manuelle Prüfprozesse und voneinander isolierte IT‑Systeme.
Diese Fragmentierung führt zu enormen Reibungsverlusten. Grenzabfertigungen dauern oft Wochen, weil Dokumente physisch transportiert, mehrfach kopiert und von verschiedenen Stellen geprüft werden. Die fehlende Transparenz erzeugt Misstrauen zwischen Handelspartnern, was wiederum zu übermäßigen Sicherheiten, hohen Finanzierungskosten und einem globalen Handelsfinanzierungsdefizit von mehreren Billionen US‑Dollar führt.
Das IOTA-Manifest beschreibt diese Situation als systemische Schwäche, die nicht nur Effizienz hemmt, sondern auch die Resilienz globaler Lieferketten gefährdet. In einer Welt, die zunehmend von geopolitischen Spannungen, dem Klima-Umbruch und wirtschaftlichen Schocks geprägt ist, wird diese veraltete Infrastruktur zu einem strategischen Risiko.
IOTA als vertrauenswürdige digitale Handelsstruktur
Vor diesem Hintergrund präsentiert das Manifest IOTA als eine neutrale, offene und skalierbare Infrastruktur, die den globalen Handel in eine digitale, interoperable und fälschungssichere Zukunft führen soll. Die Autoren betonen, dass IOTA nicht als weiteres Krypto‑Projekt verstanden werden darf, das um Aufmerksamkeit im spekulativen Markt konkurriert.
Stattdessen positioniert sich IOTA als technologische Basisschicht, die Identitäten, Dokumente, Waren und Finanzströme Onchain abbildet und damit eine gemeinsame, unveränderliche Quelle der Wahrheit schafft. Durch diese Architektur sollen die zentralen Probleme des Welthandels – fehlende Transparenz, ineffiziente Prozesse, mangelnde Interoperabilität – strukturell gelöst werden.
Das Manifest verweist auf konkrete Anwendungen, die bereits im Einsatz sind: Das TWIN‑Framework ermöglicht die digitale Abbildung von Handelsdokumenten auf dem IOTA‑Mainnet, während Projekte in der Afrikanischen Freihandelszone und im Vereinigten Königreich zeigen, wie regulatorische Prozesse, Zollabfertigungen und Lieferkettenmanagement durch Onchain‑Technologie beschleunigt werden können.
IOTA fungiert dabei als neutraler Vermittler zwischen Unternehmen, Regierungen und Finanzinstitutionen, ohne selbst Kontrolle über Daten oder Prozesse auszuüben. Diese Neutralität wird als entscheidender Vorteil hervorgehoben, da sie Vertrauen schafft und die Grundlage für eine globale, interoperable Infrastruktur bildet.
Vision einer Onchain‑Weltwirtschaft

Im letzten Teil entwirft das Manifest ein ambitioniertes Zukunftsbild, das weit über technologische Optimierung hinausgeht. Es beschreibt eine Weltwirtschaft, in der sämtliche Handelsprozesse – von der Identitätsprüfung über die Dokumentation bis hin zur Finanzierung und Zollabfertigung – digital, transparent und unveränderlich Onchain abgebildet sind. In diesem Szenario entsteht ein globales Netzwerk, das nicht nur effizienter, sondern auch gerechter und widerstandsfähiger ist.
Schiener argumentiert, dass selbst ein geringer Anteil der jährlich über zwei Milliarden grenzüberschreitenden Sendungen enorme Onchain‑Aktivität erzeugen würde, was wiederum die Nachfrage nach dem IOTA‑Token strukturell verankern würde. Der Token wird in dieser Vision nicht als spekulatives Asset betrachtet, sondern als funktionaler Bestandteil einer globalen Infrastruktur, die reale wirtschaftliche Prozesse abbildet.
Das Manifest formuliert das Ziel, innerhalb eines Jahrzehnts einen wesentlichen Teil des Welthandels Onchain zu bringen und damit eine neue Ära einzuleiten, in der Effizienz, Transparenz und Vertrauen nicht länger durch veraltete Systeme behindert werden. Diese Vision ist bewusst groß gedacht, doch sie wird durch reale Pilotprojekte, institutionelle Partnerschaften und eine klare strategische Ausrichtung untermauert.

