FTX-CEO geht von möglicher Veruntreuung der Kunden-Guthaben durch Voyager aus

  • Der Chef der Kryptobörse FTX teilte auf Twitter mit, sein Angebot sei dazu gedacht gewesen, die Voyager-Kunden dabei zu unterstützen, ihre Verluste auszugleichen und die Plattform zu verlassen
  • Ein Voyager-Vertreter teilte inzwischen mit, es gebe nun Pläne zur Umstrukturierung des Unternehmens und zur sofortigen Auszahlung aller Barmittel und Kryptowährungen an die Kunden

Die Krypto-Kreditplattform Voyager Digital hatte zuvor das öffentliche Übernahmeangebot von FTX mit der Begründung abgelehnt, dass es seinen Kunden schaden werde. Voyagers Anwälte erklärten auch, dass das Angebot keineswegs so attraktiv gewesen sei, wie FTX behaupte. Ihrer Ansicht nach hätte es sich lediglich um eine Liquidation der Vermögenswerte von Voyager zum Vorteil von AlamedaFTX gehandelt.

FTX-CEO Sam Bankman-Fried teilte auf Twitter mit, sein Angebot sei dazu gedacht gewesen, die Voyager-Kunden dabei zu unterstützen, ihre Verluste auszugleichen und die Plattform zu verlassen. Weiter schrieb er, dass die Kunden genug gelitten hätten und es nur angemessen sei, wenn sie ihre Einlagen schnell zurück bekämen, da ein Konkursverfahren Jahre dauern könne.

Bankman-Fried hatte zuvor die Krypto-Lending-Plattform scharf angegriffen und die Frage gestellt, warum der Großteil der Kundengelder noch nicht an sie zurückgegeben wurde. Seiner Meinung sei da möglicherweise Veruntreuung im Spiel. Er erklärte:

„Nun, das „traditionelle“ Verfahren sieht vor, dass die Kunden, bevor sie ihr Vermögen zurückbekommen, erst einmal hingehalten werden. Zuerst gibt es ein langwieriges Verfahren, bei dem die Gelder eingefroren bleiben. Das kann Jahre dauern. Erinnern Sie sich an Mt. Gox? Der Prozess dauert immer noch an. In der Zwischenzeit lassen verschiedene Konkursverwalter die eingefrorenen Guthaben der Kunden mit Beratungsgebühren langsam ausbluten. Das kann die Kunden Hunderte Millionen Dollar kosten, wenn alles vorbei ist.“

FTX-Angebot als sichere Lösung?

Der FTX-CEO erklärte ein Szenario, nach dem ein Kunde, der einen Bitcoin auf der Plattform für 30.000 Dollar hält, entweder den  Bitcoin oder die 30.000 Dollar bekommen kann. In Anbetracht der Tatsache, dass die Gerichtsverfahren Jahre dauern können, könnten die Kunden sicherlich auf der Verliererseite stehen. In einem anderen Szenario erläuterte er, dass beim Guthaben eines Kunden von 100 Dollar auf der Plattform, ein Dritter beschließen könnte, 10 Dollar dafür zu zahlen und die verbleibenden Mittel zu erhalten.

„Die Berater von Voyager würden die verbleibenden Mittel langsam aufbrauchen, indem sie jeden Monat Gebühren verlangen, während sich das Konkursverfahren hinzieht. Das erschien uns nicht richtig. Die Kunden haben bereits Vermögen verloren; wir wollten nicht, dass sie noch mehr verlieren.“

Bankman-Fried erklärte, sein Angebot sei die sicherste Lösung für die Kunden, da die Voyager-Berater bereit seien, das Konkursverfahren so lange wie möglich hinauszuzögern.

Voyager hat angeblich Pläne gemacht, das Unternehmen zu reorganisieren und das gesamte Bargeld und die Kryptowährung den Kunden umgehend auszuzahlen, wie ein Unternehmensvertreter mitteilte. Die Krypto-Lending-Firma hatte Anfang Juli im Southern District of New York Konkurs wegen Zahlungsunfähigkeit angemeldet – es war von einem Fehlbetrag von über einer Milliarde Dollar die Rede. Der Konkurs war unvermeidbar geworden, weil der Krypto-Hedge-Fonds Three Arrows Capital (3AC), ein Darlehen in Höhe von 650 Millionen Dollar nicht mehr bedienen konnte.

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John ist seit Jahren ein begeisterter Krypto- und Blockchainjournalist. Besonders fasziniert ist er von aufstrebenden Startups und den versteckten Mächten hinter Angebot und Nachfrage. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Geographie und Wirtschaft.

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