US-Notenbank-Chef Powell: Private Kryptowährungen können neben einem „Fedcoin“ existieren

  • US-Notenbank-Chef Powell hält eine Koexistenz privater, regulierter Stablecoins und eines offiziellen „US-Fedcoins“, herausgegeben von der Notenbank, für möglich.
  • Powell teilte weiter mit, die Notenbank stehe kurz vor der Fertigstellung eines Berichts über Krypto- und Zentralbank-Währungen, der eigentlich schon im September 2021 hätte vorliegen sollen.

Ein US-Fedcoin wurde als die größte drohende Gefahr für Bitcoin und andere Kryptowährungen in den USA bezeichnet. Der Vorsitzende der Federal Reserve Bank stellt nun aber klar, dass das eine das andere nicht ausschließt. Jerome Powell versprach außerdem, in den kommenden Wochen einen Bericht zu veröffentlichen, an dem die Fed in Bezug auf Kryptowährungen gearbeitet hat.

Powell sprach am 11. Januar während einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats. Er sprach über wichtige Wirtschafts- und Finanzthemen, darunter die angekündigte Rückführung der Kapitalzufuhr der Fed in den Markt und eine Anhebung der Zinssätze. Auch Kryptowährungen kamen unausweichlich zur Sprache und obwohl die Fed sich bisher meist gegen Kryptowährungen geäußert hatte, geben Powells jüngste Satements Hoffnung für die Zukunft der Branche in den USA. Senator Pat Toomey fragte Powell konkret:

„Wenn der Kongress einen digitalen Zentralbankdollar genehmigt und die Fed ihn einführt, gibt es dann irgendetwas, das die Koexistenz einer gut regulierten, privat ausgegebenen, stabilen Münze mit einem digitalen Zentralbankdollar ausschließen sollte?“

„Nein, ganz und gar nicht“, antwortete Powell dem Senator. Jerome Powell war erst kürzlich von Präsident Joe Biden für eine zweite Amtszeit an der Spitze der Fed nominiert worden.

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Powell stellte auch die nunmehr kurzfristige Veröffentlichung des Fed-Berichts über digitale Währungen und digitale Zentralbank-Währungen in Aussicht, ein Bericht, der seit Monaten erwartet wird. Bereits im Juli 2021 hatte die Fed angekündigt, dass der Bericht bis September 2021 fertig sein würde. Er wurde jedoch erneut verschoben, diemal auf das Jahresende 2021, doch er liegt bis heute nicht vor. Dazu sagte Powell:

„Wir haben ihn nicht ganz so weit gebracht, wie wir ihn brauchen.Aber jetzt ist er tatsächlich da, und in wenigen Wochen werden wir ihn veröffentlichen.“

Wird der Fedcoin das Ende der Stablecoins bedeuten?

Powell behauptete zwar, dass der Fedcoin neben regulierten Stablecoins existieren würde, aber dies wäre denn doch wesentlich komplexer, als er es darstellte.

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Eine digitale Zentralbank-Währung ist per Definition das digitale Pendant einer Fiat-Währung im Verhältnis 1:1, ist also direkt an besagte Fiat-Währung gekoppelt. Der Fedcoin als solcher wäre demnach ein digitaler US-Dollar. Stablecoins sind nicht anders – theoretisch. Tether zum Beispiel ist ein digitales Pendant des US-Dollars, das angeblich durch einen entsprechenden Dollar-Betrag – oder andere leicht konvertierbare Vermögenswerte, wie wir kürzlich herausgefunden haben – gedeckt ist.

Der einzige, aber gewichtige Unterschied zwischen Fedcoin und Tether bestünde in den Herausgebern. Wenn man die Vertrauensprobleme berücksichtigt, die Tether heute plagen, ist es leicht nachzuvollziehen, warum der Fedcoin einen kräftigen Marktanteil von Tether übernehmen könnte.

Das ist jedoch nicht alles. In einem Bericht der President’s Working Group on Financial Markets vom November 2021 wird empfohlen, dass alle Stablecoin-Emittenten wie Banken reguliert werden sollten. Damit würde Tether den gleichen Vorschriften unterliegen wie eine Bank, was Tether angesichts seiner wackeligen Unternehmensstruktur wohl den Garaus machen würde.

Es ist davon auszugehen, dass derzeitige „Stablecoins“ wie Tether zumindest einen schweren Schlag erleiden würden, und einige würden den nicht überleben. Im Übrigen würden Großbanken wie JPMorgan vermutlich sehr schnell eigene Stablecoins herausgeben, um die Lücke zu füllen.

Doch all diese hypothetischen Entwicklungen brauchten ihre Zeit – wenn sie sich denn materialisieren sollten; Zeit, in der sich ein wie auch immer gearteter Fedcoin bequem auf dem Markt etablieren könnte.

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Steve ist seit vier Jahren Blockchain-Autor und seit noch längerem ein großer Krypto-Enthusiast. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn besonders die Chancen fur Entwicklungsländer.

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