- Der Ruf nach dem Digitalen Euro wird lauter. Jetzt kommt er auch aus der Wissenschaft, in einem offenen Brief, unterzeichnet von 70 Wirtschaftswissenschaftlern von Universitäten in der gesamten EU.
- Sie fordern die EU auf, die Einführung des Digitalen Euro endlich entschlossen voranzutreiben. Ihr Argument: Europa riskiert, in der globalen Finanzarchitektur den Anschluss zu verlieren, falls man weiter zögert.
Zwar arbeitet die Europäische Zentralbank bereits an der konzeptionellen und technischen Ausarbeitung des Digitalen Euro. Doch auf der politischen Ebene fehlt es an Initiative und Tempo.
Für die Kryptobranche ist der Appell der 70 ausgewiesenen Experten ein deutliches Signal, dass sich die Rahmenbedingungen für Digital-Assets in Europa schnell grundlegend ändern müssen.
Der digitale Euro als finanzpolitisches Projekt
In dem offenen Brief, veröffentlicht vom Sustainable Finance Lab der Universität Utrecht betonen die Wissenschaftler, dass der Digitale Euro weit mehr ist als ein reines Zahlungsmittel.
Er soll vielmehr Europas digitale Souveränität stärken, die Abhängigkeit von den US‑Tech-Konzernen reduzieren und eine Antwort auf den technologischen Vorsprung Chinas liefern.
China hat nämlich mit dem Digitalen Yuan bereits ein funktionierendes CBDC-System entwickelt und testet es bereits seit geraumer Zeit, allerdings ohne das per Social Media bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Rest der Welt kundzutun.
Der Digitale Euro soll auch als Gegengewicht zu den privatwirtschaftlichen Stablecoins dienen, die heute den Großteil des globalen Kryptohandels dominieren. Die den offenen Brief unterzeichnenden Ökonomen sehen darin eine Gefahr für die Währungshoheit der Europäischen Zentralbank.

Ein staatlich garantiertes, digitales Zentralbankgeld könnte hier Stabilität schaffen und zugleich Innovationen ermöglichen – etwa programmierbare Zahlungen, automatisierte Abrechnungen und innovative Geschäftsmodelle im Web3-Umfeld.
Warum die EU jetzt handeln muss
Für die Kryptobranche ist der Digitale Euro die vielleicht größte Chance ihrer Existenz. Denn der Digitale Euro würde die Akzeptanz digitaler Zahlungen massiv erhöhen und damit auch Blockchain-Anwendungen generell in den Mainstream tragen.
Andererseits würde ein offizielles europäisches digitales Geld den Wettbewerb für Stablecoin-Anbieter verschärfen und Banken wie FinTechs zu strategischer Neuausrichtung zwingen. Politisch bleibt das Projekt jedoch umstritten.
Datenschutzbedenken, Lobbyisten-Druck durch Banken und die Angst vor Kontrollverlust bremsen den Prozess. Der Appell der 70 Ökonomen zeigt jedoch, dass die Zeit des Abwartens jetzt endlich vorbei sein muss.
Die Europäische Union steht vor einer Weichenstellung, die nicht nur die Zukunft der Finanzwelt, sondern die Zukunft der gesamten europäischen Wirtschaft prägen wird.

