- Ein unscheinbarer Fund von 2021 bei einer Drogenrazzia in Spanien hat jetzt zu einem der größten Erfolge von Europol gegen Geldwäsche-Kriminalität geführt.
- In einem Haus, das mit Kokainhandel in Verbindung gebracht worden war, fand man unter anderem etliche Fünf‑Euro‑Scheine, übersät mit handschriftlichen Notizen
Was zunächst nur wie eine merkwürdige Nebensächlichtkeit aussah, entpuppte sich als Goldgrube an Informationen über ein Krypto-Geldwäschenetz, das von Spanien über die Niederlande und Dubai nach Albanien reichte.
Die Notizen auf den Geldscheinen enthielten die Namen, Kürzel, Summen, Wallet-Informationen und Codes von Geldkurieren der kriminellen Organisation.
Als man die Informationen in den richtigen Zusammenhang gebracht hatte, hielt man im wahren Sinn des Wortes die Schlüssel zu einem internationalen Krypto‑Geldwäschesystem in Händen, dessen Zentrum in der albanischen Hauptstadt Tirana lag. Es hatte mehr als 35 Millionen Euro bewegt und deren Herkunft verschleiert.
Die Notizen auf den Gelscheinen enthielten Namen, Kürzel, Summen und interne Codes, mit denen die Ermittler ein Schattenbanksystem transparent machen konnten. Als die spanischen Behörden Europol einschalteten, weitete sich der Fall rasch aus. Die Spuren führten zur albanischen Çopja‑Gruppe, einer kriminellen Organisation, die laut Fallakten systematisch Drogengelder in Kryptowährungen umwandelte.
Die albanische Anti‑Korruptionsbehörde SPAK stieg ein und rekonstruierte anhand von Wallet‑Daten, TRON‑Transfers und E-Börsen‑Protokollen, wie das Geld aus Spanien über Tirana in Bitcoin, Ethereum und vor allem in USDT auf TRC20-Basis floss.
Die Ermittlungen zeigten, dass die Gruppe sowohl Binance als auch die US‑Kryptobörse „Cragen“ nutzte, ergänzt durch lokale Wechselstuben in Tirana. Weiter tauchte ein Mailänder Unternehmen als Fassade auf, das zwischen Oktober 2024 und Juli 2025 Kryptowährung im Wert von rund 40 Millionen Dollar gekauft haben soll.
Die Blockchain‑Spuren belegten Transaktionen von Geldsummen in sechs‑ und siebenstelliger Höhe, die anschließend in Immobilien, Restaurants und andere legale Unternehmen in Albanien „reinvestiert“ wurden.
Krypto-Forensik führt zum Erfolg
Besonders herausfordernd war für die Ermittler, dass es kaum schriftliche Dokumente als Finanzunterlagen gab. Weder Bankauszüge, Quittungen noch Verträge lagen vor. Stattdessen mussten die Behörden ausschließlich mit Onchain‑Daten arbeiten.

Der albanische Anwalt Dritan Jahaj betonte, dass das Eigentum an einer Wallet der entscheidende juristische Hebel sei: Ohne eindeutige Zuordnung einer Adresse zu einer Person sei eine Verurteilung Beschuldigter kaum möglich.
Gleichzeitig zeigte sich, wie weit die Krypto‑Forensik inzwischen fortgeschritten ist. Analyst Dorian Kane erklärte, dass auch verschleierte Wallet‑Kaskaden zunehmend deanonymisiert werden können, sobald ein einziger Fehler im physischen Umfeld die Verbindung herstellt – in diesem Fall die aus Sicht der Täter fahrlässig beschriebenen Fünf‑Euro‑Scheine.
Insgesamt wurden mehr als 35 Millionen Euro beschlagnahmt, davon 25 Millionen in Spanien und 10 Millionen in Albanien. Für Europol ist der Fall ein exemplarisches Beispiel dafür, wie Bargeldfunde, Blockchain‑Analyse und internationale Kooperation zusammenwirken, um komplexe Krypto‑Geldwäschestrukturen aufzubrechen.
Für die EU-Strafverfolgungungsbehörden markiert der Fall zugleich einen großen forensischen Fortschritt: Erstmals wurde ein multinationales kriminelles Netzwerk nahezu vollständig über digitale Spuren enttarnt.
Allerdings war das nur möglich durch die zunächst unscheinbaren Geldscheine, die neben ihrer Originalbeschriftung die besagten Notizen trugen, die dort nicht hingehörten.

