Zahlungsdienstleister in El Salvador boykottieren Bitcoin aus Angst, ihr eigenes Grab zu schaufeln

  • El Salvador hat Geschichte geschrieben als das erste Land, in dem Bitcoin gesetzliches Zahlungsmittel ist, aber die Zahlungsdienstleister boykottieren den Bitcoin.
  • Sie fürchten, dass Bitcoin-Dienstleistungen ihre Compliance-Kosten in die Höhe treiben und, schlimmer noch, sie um ihre völlig überhöhten Gebühren bringen, durch die sie überhaupt nur existieren können.

El Salvador gab vor kurzem bekannt, dass die Legislative den Gesetzesentwurf des Präsidenten genehmigt hat, um Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen. Das zentralamerikanische Land hat weltweit Geschichte geschrieben, aber offenbar verläuft die Einführung nicht wie geplant. Zahlungsdienstleister wollen ihren Kunden den Bitcoin nicht zur Verfügung stellen, obwohl er ein legales, offizielles Zahlungsmittel ist. Abgesehen von einer Erhöhung der Compliance-Gebühren fürchten sie, dass der Bitcoin die hohen Gebühren, die praktisch die Basis ihres Geschäftsmodells sind, aushöhlen könnte.

El Salvador ist stark von Überweisungen abhängig, die eine große Rolle in der lokalen Wirtschaft spielen, und das zu Recht, da 25 Prozent der Salvadorianer ins Ausland gehen. Die Rücküberweisungen machen etwa 20 Prozent der Wirtschaft des Landes aus. 2020 überwiesen Salvadorianer etwa 4 Milliarden Dollar aus dem Ausland nach Hause.

Das macht die Zahlungsdienstleister zu einem Wirtschaftsfaktor in El Salvador, und sie scheinen nicht gewillt zu sein, zu versuchen, den Bitcoin in ihre Geschäfte zu integrieren, solange sie es noch können.

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Bargeld-Ökonomie, Bedrohung für Unternehmen und Compliance-Kosten

Kenneth Suchoski, US-Zahlungsanalyst bei Autonomous Research, glaubt, dass die zentrale Herausforderung für die reala Einführung des bitcoin die sehr bargeldintensive Natur der Wirtschaft des Landes ist. Im Gespräch mit Reuters erklärte er:

„Western Union und die anderen Überweisungsdienstleister sollten bedenken, dass der Großteil des Überweisungsvolumens von den Industrieländern in die Schwellenländer geht, und zwar in erster Linie an Personen – Familien und Freunde – die mit Bargeld arbeiten. Falls der Bitcoin nicht generell und verbreitet angenommen wird, werden diese Überweisungsanbieter auch in den kommenden Jahren noch relevant sein.“

Zugegeben, Bitcoin macht immer noch einen nur sehr kleinen Prozentsatz der 500 Milliarden Dollar schweren globalen Überweisungsbranche aus. Suchoski schätzt ihn auf unter 1 Prozent.

Trotzdem haben globale Überweisungsgiganten auf die eine oder andere Weise versucht, sich in Krypto zu engagieren, wenn auch nicht in El Salvador. MoneyGram ist bekannt für seine Partnerschaft mit Ripple und die Verwendung von XRP, obwohl die Partnerschaft dieses Jahr endete. Die neueste Initiative ist eine Partnerschaft mit Coinme, dem größten registrierten Krypto-Cash-Wechsler in den USA. Gemeinsam ermöglichen sie es den Kunden, BTC an 12.000 MoneyGram-Standorten einfach zu kaufen und zu verkaufen.

In einer Erklärung des Überweisungsunternehmens heißt es: „Wir haben eine Brücke gebaut, um Bitcoin und andere digitale Währungen mit der lokalen Fiat-Währung zu verbinden. Da Krypto- und Digitalwährungen immer mehr an Bedeutung gewinnen, ist ein zentraler Aspekt für weiteres Wachstum die Austauschbarkeit mit lokalen Fiat-Währungen.“

Für Western Union liegt das Hauptaugenmerk auf der Compliance. In den letzten zehn Jahren haben sich die Compliance-Kosten für das Unternehmen auf 200 Millionen Dollar verdoppelt. Die Integration von Kryptowährungen könnte diese Kosten noch erhöhen und das Unternehmen, dessen beste Zeiten bereits hinter ihm liegen, weiter belasten.

Trotz der Herausforderungen müssen sich diese Unternehmen formieren und Bitcoin akzeptieren, glaubt Ray Youssef. Youssef ist CEO und Mitbegründer von Paxful, einem Peer-to-Peer-BTC-Service mit einer großen Präsenz in Afrika und Lateinamerika. Er sagte Reuters:

„Es fällt mir wirklich schwer zu sehen, wie sie konkurrieren können, es sei denn, sie senken wirklich ihren Preis – man kann nicht umsonst konkurrieren.“

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Steve ist seit vier Jahren Blockchain-Autor und seit noch längerem ein großer Krypto-Enthusiast. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn besonders die Chancen fur Entwicklungsländer.

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