Der Ausgang einer Zivilklage in den USA kann über Sein oder Nichtsein von Defi entscheiden – Was ist passiert?

  • Pool Together, eine Art Krypto-Sparkasse, wurde vor einem New-Yorker Bundesgericht wegen illegalen Glücksspiels angezeigt
  • Der Ausgang des Verfahrens ist von existenzieller Bedeutung für den Defi-Sektor, denn falls die Klage Erfolg hat, könnte er untergehen

Das dezentrale Finanzwesen befindet sich im Aufschwung. Und während ein Großteil davon auf den Nutzen zurückzuführen ist, den DeFi bietet, hat ein weiterer großer Teil des Aufschwungs mit vermeintlichen Freiheiten wegen des Fehlens von Richtlinien für diesen Sektor zu tun. Das könnte sich jedoch als Bumerang für den gesamten Sektor erwsien, da ein Anleger jetzt eine Klage eingereicht hat, die das Ethos und die Prinzipien, auf denen DeFi aufgebaut ist, auf den Prüfstand stellt.

Die Klage wurde bei einem New Yorker Bundesgericht eingereicht und richtet sich gegen Pool Together, eine Art Sparkasse mit nachgeschalteter Lotterie, die Krypto-Einlagen von Sparern entgegennimmt, sie an Kredit-Kunden verleiht und Zinsen an die Sparer zahlt, ähnlich wie BlockFi und Celsius es tun. Soweit, so gut. Doch der Stein der Anstoßes bei Pool Together ist die Art und Weise, wie und an wen die Sparzinsen ausgezahlt werden.

Pool Together präsentiert sich als „Lotterie bei der niemand verliert“. Pool Together zahlt den Kunden ihre Sparzinsen nicht entsprechend der Höhe ihrer Einlagen aus, sondern macht ein Lotto-Spiel daraus, bei dem sich wenige glückliche Gewinner die gesamten erwirtschafteten Zinsen teilen. Die Mehrheit der Sparer geht leer aus, was die Zinsen angeht, behält aber den eingezahlten Sparbetrag. Leighton Cusack, Gründer von Pool Together, nennt das Ganze – warum auch immer – ein  „preisgebundenes Sparkonto“.

Technisch basiert es auf Ethereum und zusätzlichem Open-Source-Code. Cusack übt keine autoritäre Kontrolle über die Plattform aus. Vielmehr verdienen Sparkunden, die ihre Kryptowährung verleihen, eigene Plattform-Token, mit denen sie dann über die Zukunft abstimmen können, die sie für das Protokoll wünschen. Diese Governance-Token werden auch an solche Kunden vergeben, die nicht in der Lotterie gewinnen. Sie können wie jede andere Kryptowährung an Börsen verkauft werden, und ihr Wert steigt und fällt wie bei Bitcoin oder Ethereum.
Pool Together ist seit seiner Gründung stark gewachsen und hält Hunderte Millionen Dollar in den Smart Contracts, die wöchentlich über 100.000 Dollar an Lotteriegewinnen – bestehend aus den erwirtschafteten Zinsen – auszahlen.

Doch obwohl sich immer mehr Anleger auf der Plattform tummeln, sind offenbar nicht alle glücklich damit, denn jetzt hat einer von ihnen gegen den Betreiber geklagt.

Pool Together –Sparen oder Zocken?

Kläger Joseph Kent argumentiert ganz einfach damit, das Pool Together trotz allen DeFi-Brimboriums  nichts als ein Glücksspiel sei – und das ist illegal im Staat New York. Kent ist in den USA nicht ganz unbekannt: Er war 2020 der technische Leiter der Präsidentschaftskampagne von Elizabeth Warren, die allerdings gescheitert ist, wie wir heute wissen.

Seine Klage richtet sich also gegen die Lotterie, die jede Woche bei Pool Together stattfindet. Sie wird wohl wesentlich die Haltung der Regulierungsbehörden zu DeFi beeinflussen. Denn es geht unter anderem auch um die Grundsatzfrage, ob eine Einzelperson für die Handlungen einer DeFi-Plattform rechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Gründer Cusack sagt jedenfalls, Pool Together werde von den Token-Inhabern betrieben, nicht von ihm.

Carlton Green, Anwalt bei Crowell & Moring LLP, sagte dem Wall Street Journal:

„Es bleibt eine offene Frage, wie die Gerichte und Regulierungsbehörden auf solche einzigartigen Merkmale von DeFi reagieren werden.“

Das Pool Together-Team und seine Investoren halten die Klage für „unseriös“, angetrieben von politischen Ambitionen und mangelndem Verständnis für DeFi. Cusack selbst weist die Klage mit folgenden Worten zurück:

„Das wurde von jemandem verfasst, der in der Politik tätig ist, und die erklärte Motivation ist, dass Kryptowährungen schlecht für die Umwelt sind. Es wurde eindeutig von jemandem geschrieben, der nicht versteht, wie Protokolle funktionieren und worum es bei einem solchen Pool insgesamt geht.“

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Steve ist seit vier Jahren Blockchain-Autor und seit noch längerem ein großer Krypto-Enthusiast. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn besonders die Chancen fur Entwicklungsländer.

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