El Salvador: Die skurrile Bitcoin-Welt von Krypto-Präsident Bukele

  • El Salvadors Präsident Bukele sagte einmal, er kaufe manchmal Bitcoin für sein Volk, wenn er nackt im Bett liege; eigentlich belanglos, schließlich ist es heiß in der Hauptstadt San Salvador. 
  • Doch es gibt schwerwiegende Bedenken: Keiner weiß, wie die Bitcoin gelagert werden, wie sicher sie vor Cyber-Angriffen sind und wer überhaupt entscheidet, wann wieviel Bitcoin gekauft wird.

„El Salvador ist das Land der Kryptowährungen, geführt von einem Visionär, der weiß, dass Bitcoin der einzige Weg ist, seinem Volk die ultimative Freiheit zu geben,“ sagen die einen.
„El Salvador ist ein Land mit einem berüchtigten Diktator, der nur seinen eigenen Vorteil sucht und den Bürgern Bitcoin aufzwingt, obwohl sie ihn nie haben wollten,“ sagen die anderen.
Unabhängig von diesen beiden Sichtweisen für oder gegen Nayib Bukele gibt es Aspekte der Bitcoin-Historie in El Salvador, die bis heute rätselhaft sind.
Da ist beispielsweise der Bitcoin-Kauf durch den Staat. Bukele ist immer schnell dabei, auf Twitter den neuesten Erwerb weiterer Bitcoin zu verkünden. Insidern zufolge kauft er gerne „den Dip“,  ein Ausdruck, der aus dem Börsen-Chinesisch stammt – auf Deutsch: er kauft, wenn der Kurs fällt.

Es wurde angenommen, dass die salvadorianische Zentralbank weitgehend für den Kauf von Bitcoin zuständig ist, so wie die Federal Reserve Bank den Dollar druckt und die physischen Goldreserven der USA lagert. Doch wie im Januar bekannt wurde, kauft Bukele angeblich selbst Bitcoin für ein ganzes Land mit 6,4 Millionen Einwohnern, und zwar mit seinem persönlichen Smartphone.
Eigenen Angaben zufolge macht Bukele solche Staatsgeschäfte auch dann, wenn er im Bett liegt.

Dass all das nicht stimmt, stellte sich einige Wochen später heraus. Bukele kauft die Bitcoin keineswegs selbst, wie er gerne und oft behauptet. Die Käufe werden auch nicht von der Zentralbank und noch nicht einmal von El Salvador aus getätigt. Finanzminister Alejandro Zelaya zufolge gibt es ein Team von Finanzkorrespondenten in den USA, die diese Käufe für das Land vornehmen. Bestimmen also ein paar keinerlei staatlicher Kontrolle unterliegende Finanzjongleure aus dem Ausland über die Währungsreserven einer ganzen Nation?
In einem Fernsehinterview widersprach der Minister dem Bild, das Bukele ständig kultiviert – dem eines eingefleischten Bitcoin-Fans, ständig im Dienst für sein Land, mit der Exekutivgewalt, auf einer Krypto-Börse einfach auf „Kaufen“ zu klicken und die Währungsreserven des Landes mit Bitcoin aufzustocken.
Der Minister hat sich aber auch selbst widersprochen. Monate zuvor hatte derselbe Minister behauptet, dass es ein Chivo-Team gebe – Chivo heißt die staatseigene Wallet – das eng mit dem Präsidenten zusammenarbeite, doch dass es Bukele selbst sei, der einen Kauf tätige, falls er das für richtig halte.

Das ist nicht die einzige Ungereimtheit, die mit El Salvadors Bitcoin-Historie verbunden ist; und da die Mehrheit der Salvadorianer gegen die Einführung von Bitcoin als Währung war, schiessen die wildesten Spekulationen darüber ins Kraut, was hinter den Kulissen wirklich vor sich geht. Doch auch außerhalb von El Salvador kratzen sich Skeptiker den Kopf und fragen sich, was in dem Land los ist.

Steve Hanke, ein bekannter Kritiker der Bitcoin-Bewegung von Bukele, spekulierte:

„Er könnte die Staatskasse ausrauben… das ist ein Extremfall, für den es zwar keine Beweise gibt, aber es gibt keine Beweise für überhaupt irgendetwas.“

Selbst Bitcoin-Befürworter haben ihre Zweifel an der Art und Weise, wie Bukele den gesamten Prozess handhabt. Zwar sind sie überzeugt, dass die Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein kluger Schritt war, doch sie stellen die Art und Weise der Umsetzung durch die Bukele-Regierung infrage, die ihrer Meinung nach die Initiative verpfuscht und andere Länder, die einen ähnlichen Schritt in Erwägung ziehen, zurückschrecken lassen könnte.
Nolva Serrano, Leiterin des operativen Geschäfts bei der Krypto-Wallet BlockBank, bemerkte:

„Es gibt so viele Dinge, die nicht offengelegt werden. Zum Beispiel, wer hält die privaten Schlüssel zu diesen Bitcoin? Und was sind die Kriterien, zu sagen: „Heute ist es an der Zeit, mehr Bitcoin zu kaufen“, oder „Wir werden bis nächsten Monat warten?“ Das wissen wir nicht.“

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Steve ist seit vier Jahren Blockchain-Autor und seit noch längerem ein großer Krypto-Enthusiast. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn besonders die Chancen fur Entwicklungsländer.

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