Bitcoin-Mixer sind legal und dienen gleichwohl vor allem zur Geldwäsche

  • Über Bitcoin-Mixer werden jedes Jahr Dutzende Milliarden umgesetzt, und obwohl sie nicht illegal sind, stammt ein beträchtlicher Teil der Gelder aus illegalen Quellen.
  • Die Kunden behaupten, Mixer böten Privatsphäre, doch die Strafverfolgungsbehörden sehen das anders – es sind Geldwaschmaschinen.

Sind Bitcoin-Mixer illegal? Das ist eine Frage, die die Strafverfolgungsbehörden in letzter Zeit beschäftigt. Die Befürworter sagen, dass sie nur Privatsphäre bieten, aber in welchem Umfang sollte diese Privatsphäre gelten? Vor allem Tornado Cash bereitet den Behörden große Sorgen. Dortwerden  jährlich mehrere Milliarden Dollar abgewickelt, und es gibt Anhaltspunkte, die das Unternehmen mit einigen der größten Krypto-Verbrechen der letzten Jahre in Verbindung bringen.

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Privatsphäre vs. Sicherheit – das Bitcoin-Mixer-Puzzle

Vor zwei Wochen meldete Crypto.com eine Sicherheitsverletzung, bei der das Unternehmen etwa 15 Millionen Dollar verlor. Einige Tage später enthüllte das Sicherheitsunternehmen Peck Shield, dass die gestohlenen 4.600 Ether über Tornado Cash gewaschen wurden, und zwar in Tranchen von jeweils 100 ETH.

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Und es war nicht das einzige Mal, dass der DeFi-Mixer, der auf Ethereum basiert, mit Geldwäsche in Verbindung gebracht wurde. Letzten Monat sagten Experten, dass Hacker den Dienst nutzen, um die 196 Millionen Dollar zu waschen, die sie von der Bitmart-Börse gestohlen hatten. Macht sich Tornado Cash also der Beihilfe zur Geldwäsche schuldig und ist damit selbst kriminell?

Die Antwort ist kompliziert. Zum einen ist Tornado Cash eine automatisierte Plattform, die sich auf Smart-Contracts stützt, um Transaktionen auszuführen. Mitgründer Roman Semenov sagte gegenüber CoinDesk:

„Wir können nicht viel tun, um bei Untersuchungen zu helfen, da das Team keine totale Kontrolle über das Protokoll hat.  Alle Einsätze, Protokolländerungen und wichtigen Entscheidungen werden von der Gemeinschaft über die Tornado Governance DAO und die Einsatz-Pozeduren getroffen.“

Semenov ist stolz auf die dezentrale Natur des Protokolls und sagt, er habe es so entworfen, damit Eingriffe unmöglich sind, denn es würde nicht viel Sinn machen, wenn eine dritte Partei, etwa Entwickler, die Kontrolle darüber hätte. Das wäre dasselbe, wie wenn jemand die Kontrolle über Bitcoin oder Ethereum hätte.“
Es gibt es noch einen zweiten Vorbehalt: Der Dienst bietet den Nutzern nur die Möglichkeit, ihre Bitcoin-Transaktionen privat zu gestalten, zumindest auf dem Papier – und Privatsphäre an sich ist nicht illegal.
Aber zunächst einmal: Wie funktioniert ein Bitcoin-Mixer? Er nimmt die Bitcoin mehrerer Nutzer, legt sie in einem privaten Pool ab, vermischt sie und die Originalbeträge an die Besitzer zurück. Auf diese Weise wird der Weg, den einzelne Münzen auf der Blockchain genommen haben, unverfolgbar. Alles, was wir jetzt sehen können, ist, dass etwa Bob Bitcoin an einen Mixer geschickt hat, so wie andere auch.
Bill Callahan, ein pensionierter Agent der US Drug Enforcement Agency, glaubt nicht, dass Tornado Cash an der Geldwäsche beteiligt ist.
„Wäscht Tornado Cash Geld? Sie verschleiern die Herkunkft sicherlich. Aber ich wäre vorsichtig mit dem Begriff Geldwäsche“, sagte er in einem Interview und fügte hinzu:

„Wenn Tornado Cash weiß, wer das Geld eingezahlt und wer es abgehoben hat, ist das keine Geldwäsche.“

Was denkt die Regierung über Bitcoin-Mixer?

Victor Fang, CEO von Anchain.AI, einem Unternehmen für Blockchain-Analysen, erklärte:

„Privatsphäre ist nicht kriminell, aber Kriminelle suchen nach diesen Lösungen. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs, der Anfang der Zukunft, die wir erleben werden.“

Um sich ein besseres Bild davon zu machen, warum Mixer zu einem so großen Problem werden, muss man wissen, dass Tornado Cash allein im letzten Jahr 10 Milliarden Dollar umgeschlagen hat. Wir wissen, dass etwa 220 Millionen Dollar  davon mit kriminellen Machenschaften verbunden waren, insbesondere mit Bitmart und Crypto.com, aber was ist mit dem Rest? Könnte es sich um unschuldige Nutzer handeln, die ihre Kryptowährungen nur verschleiern wollten? Oder ist Tornado Cash ein Zufluchtsort für Geldwäscher?
Stephen Sargeant, ein AML-Experte, der mit der Bitfinex-Börse zusammenarbeitet, sagt, dass Mixer, und insbesondere Tornado Cash, sichere Häfen für Kriminelle sind.

„Ich glaube nicht, dass es so viele datenschutzbewusste Menschen gibt, die in so kurzer Zeit ein Volumen von 10 Milliarden Dollar umsetzen können.

Tornado Cash-Gründer Roman ist da anderer Meinung. Ihm zufolge sind die Krypto-Milliardäre zunehmend um ihre Sicherheit besorgt und wollen ihr Vermögen privat halten.

„Da ihr gesamtes Krypto-Portfolio für die Öffentlichkeit sichtbar ist, sind die Inhaber bedeutender Krypto-Beträge sehr gefährdet, Opfer von Entführung, Folter und Erpressung zu werden. […] Die Banken geben ihre Kontostände niemandem preis, der danach fragt, und wir denken, dass dies auch bei Kryptowährungen so sein sollte.“

Was denkt die Regierung über all das? Bisher wurden nicht viele Vorschriften für Mixer erlassen. Allerdings sind die Behörden in der Vergangenheit schon gegen einige Mixer vorgegangen.
Erinnern Sie sich an Helix? Das war ein BTC-Mixer im Dark Web, gegen den die US-Regierung hart vorging und sogar den Betreiber Larry Hermon verhaftete. Hermon hat sich schließlich der Geldwäsche schuldig bekannt.
Mit dem Jahr 2022 und dem zunehmenden Interesse der Regierung an Kryptowährungen wird es zwangsläufig mehr Vorschriften für die Branche geben.

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Steve ist seit vier Jahren Blockchain-Autor und seit noch längerem ein großer Krypto-Enthusiast. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn besonders die Chancen fur Entwicklungsländer.

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